Kleiner Nachtrag zum Nordkorea Aufenthalt

Etwas weniger als ein ganzes Jahr dauerte es, bis ich die folgenden Fotos erhielt. Nicht die allerbesten Fotos, aber ich moechte sie Euch ungern vorenthalten. Es sind so ziemlich die einzigen Fotos, die das echte Leben zeigen. Es handelt sich um „halb-legale“ Fotografien. Es war ausdruecklich verboten diese Fotos aufzunehmen, aber wurden von den Militaers und Tourguides gesehen und einfach ignoriert. Ein Freund aus unserer Reisegruppe hat sie mir nun endlich zur Verfuegung gestellt.

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„Verlassen Sie sofort den Raum! SOFORT!!!“
 
 

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Der beste Kunde des Schaustellers ist bekanntlich der Schausteller
 
 

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Ausflug zu den Filmstudios
 
 

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Abreisetag: Zwei Soldaten die direkt vor der Grenze zu China vom fahrenden Zug absprangen, um sicherzustellen, dass keiner von uns zurueck kommt.

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Wandertour auf der Chinesischen Mauer

JianKou – Die Chinesische Mauer mal anders

Nach arbeitsreichen Wochen habe ich mir endlich mal wieder ein Wochenende zum Abschalten gegoennt; Abschalten und Entspannen…so der Gedanke. Schliesslich ist ja ein langes Wochenende in Aussicht, wegen des hiesigen Gedenktag der Toten (QingMing). Langes Wochenende heisst in China aber auch, dass halb China auf den Beinen ist um etwas zu unternehmen. Ratsam ist es eigentlich zum Erholen Zuhause zu bleiben um den Menschenmassen zu entgehen.

Am Freitag lief eigentlich alles ganz entspannt ab. Nur noch schnell einen Schlafsack organisieren, da ich am Abend vorher festgestellt hatte, dass ich meinen schon nach Deutschland gebracht hatte. Aus Zeitgruenden musste ich einen relativ teuren Outdoor Laden aufsuchen, aber dafuer sollte ich danach Qualitaet in den Haenden halten.

Ab zum Bahnhof, den ich das erste Mal 30 minuten frueher als geplant erreicht habe. Von frueheren Wanderaktivitaeten kannte ich schon einige der Leute und wir sind sogar im gleichen Schlafwagen gelandet. Die Zugfahrt dauerte 12 Stunden mit der langsamen Bahn und wir erreichten um 8.00Uhr den Treffpunkt in Peking. Von dort aus sollte es durch den Pekinger Verkehrsinfarkt nur etwa 3 Stunden dauern, bis wir das verlassene Doerfchen JianKou erreichten, in dem ausser uns sonst kaum jemand zu sehen war. Ein ungewohnt gutes Mittagessen stand schon auf dem Tisch, was uns zu Kraft fuer den restlichen Tag verhelfen sollte. Am Strassenrand stand ein Schild, das den Zutritt zur Mauer verbot. Mit einem einheimischen Fuehrer ist es aber wohl doch erlaubt, sofern man denn eine Gebuehr entrichtet…

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Mit 15kg Gepaeck, einschliesslich Zelt, Isomatte, warmen Klamotten, Wasser und Kamera ging es dann endlich los. Nach einem halbstuendigen Fussmarsch konnten wir die grosse Mauer schon sehen. Hier stehen die Wachtuerme recht nah beieinander und im Gegensatz zu den vorher besichtigten Mauerabschnitten ging es dazwischen steil bergauf und ab. Ich las vorher schon, dass es sich hier um ein Teil der chinesischen Mauer handelt, der in der Ming Dynastie vor ca 600 Jahren errichtet wurde. Es wurde befohlen alle 290Meter einen Wachturm zu bauen. Auf einen von ihnen werden wir am Abend das Zeltlager aufstellen.
Es ging auf einem steilen Trampelpfad gut voran, kostete aber schon ganz schoen Kraft. Als die Mauer erreicht war, machten wir erstmal Pause. Eine gute Gelegenheit die ersten Fotos zu machen.

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Der Himmel ist heute etwas grau, die Temperatur bei 18 Grad und es ist kein Regen vorhergesagt. Ein perfektes Wanderwetter. Aber die Struktur des Bauwerks hat schon sehr gelitten. Viele lose Steine, die Gelaender sind teilweise eingestuerzt und ein Pfad schlaengelte sich auf der Mauer um die ganzen Straeucher und Baeume, die sich mittlerweile dort angesiedelt haben. Dieser Zustand war schon sehr reizvoll anzusehen und sollte uns die zwei Tage begleiten.
Der schwere Rucksack war nicht besonders vorteilhaft, da auch ohne schon ein gutes Gleichgewicht noetig waere. Gleich an der ersten schwierigen Stelle war die Mauer unterbrochen und es stand nur noch ein 30cm breites Gelaender aus Stein, ueber das wir uns wie die Klammeraffen auf die andere Seite robbten. Der Blick links herunter war etwas erschreckend. Einige Meter ging es tief hinunter. Auf den Truemmerhaufen weiter unten wollte man nicht gern landen. Hier zeigte sich schon, dass es mit unserer 25 Personen starken Gruppe eine Weile dauern wuerde, bis jeder das Hindernis ueberwunden hatte. Von hier aus konnten wir schon die naechste Herausforderung sehen. Es wurde etwas still und ich hatte das Gefuehl, dass sich alle fragten „Da sollen wir wirklich hoch?“ Unser Fuehrer zuckte nur mit den Schultern und spazierte ohne die Haende zu nutzen langsam aber zielstrebig hinauf. Wir folgten schweigend, immer auf der Suche nach festem Halt fuer die Fuesse und die Haende. „Immer nur ein Koerperteil auf den naechsten Vorsprung in der Wand versetzen“ sagte ich mir innerlich immer und immer wieder. Das war langsam, aber dafuer sicher. Die Frage ob und wie hier ein Verletzer geborgen wuerde verdraengte ich sofort, wenn sie wieder in meinen Gedanken vorkam.
Es kamen einige sehr steile Passagen, von denen wir die schlimmste jedoch umwanderten. Das waere reiner Selbstmord dort hoch zu klettern. Zwei Chinesen wussten wohl, nicht dass es eine Umgehung gab…

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Die Finger waren schnell ziemlich ausgetrocknet und die Haut wurde sproede. Handschuhe waeren wohl nicht schlecht gewesen, aber so hatte ich ein besseres Gefuehl. Lose Steine wollten naemlich rechtzeitig erkannt werden und man musste wirklich aufpassen, dass durch eigene Unachtsamkeit keine Steine auf die Mitstreiter unter einem fielen.
Das Wandern oder besser gesagt Klettern machte viel Spass und war sehr Abwechslungsreich. Eine senkrechte etwa 6m hohe Wand sollte zum Highlight des Tages werden. Hier gab es nur kleine Vorspruenge oder Nischen in denen man sich mit aller Kraft festhielt. Wer unten stand und wartete, half den Kletternden mit Empfehlungen wo der naechstbeste Halt zu finden ist. Wer wollte konnte seinen Rucksack per Seil hinaufziehen lassen. Das machte die Sache deutlich einfacher und etwas ungefaehrlicher

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Nach etwa 3km und fast sechs Stunden hatten wir endlich den Platz erreicht, wo wir die Zelte aufschlagen konnten. Camping auf der Mauer. Stockduster war es mittlerweile und in der Ferne konnte man das Licht der Stadt Peking sehen. Aus dem Tal wurden einige Toepfe mit warmen Essen geliefert, das wir uns schmecken liessen. Selbt ein Sack Bierflaschen wurde gebracht. Im Wachturm von dem nur noch die Grundmauern standen entzuendeten wir ein Lagerfeuer, auf dem wir sogar noch Lammspiesse grillten. Noch ein Bier und dann schnell in den Schlafsack. Am naechsten Tag mussten wir schliesslich die heute verlorene Zeit wieder aufholen.

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Der neue Daunenschlafsack war perfekt. Eine lohnende Investition, denn es hatte in der Nacht nur etwa 3Grad. Der zusaetzliche Wind war auch nicht besonders foerderlich.
Am naechsten Morgen zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Sonnenschein und ein strahlend blauer Himmel. Allerdings war es nicht der Sonnenschein, der uns weckte, sondern eine Gruppe Chinesen die rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf dem naechsten Wachturm sein wollten. Sie hielten, riefen einander zu und erzaehlten sich irgendwas direkt vor unserem Lager. Aus den anderen Zelten war schon das erste Fluchen zu vernehmen. Das interessierte die Gruppe Chinesen nicht – sie haben wohl noch nie Zelte gesehen, fotografierten mit Blitz und waren dann endlich weg.

Das Zeltlager war schnell wieder aufgeloest und es ging weiter. Eine Kleinigkeit in den Magen und weiter zum hoechsten Punkt, der noch etwa 4km entfernt vor uns lag. Trotz der kurzen Distanz vom Vortag machten sich die Muskeln der Arme und Beine deutlich bemerkbar.
Mehrere Male kamen wieder schwierige Passagen, bei denen man lieber nicht den Abhang daneben herunterschaut. Wieder gab es eine etwa 6 bis 8 Meter vertikale Wand zu ueberwinden. Dieses mal abwaerts. Die Schwierigkeit hier lag darin, dass man nicht sehen konnte wo man hin tritt. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich ordentlichen Halt fand um dann langsam abzusteigen.
Nach zwei Stunden wandern und klettern erreichte uns alle ein Tiefpunkt. Jeder erhoehte Wachturm den wir erreichten bot die Aussicht auf den naechsten, noch hoeher gelegenen Turm. Wenn das Ende nicht in Sicht ist, und es immer weiter bergauf geht, verlaesst einen irgendwann die Lust und Motivation.

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Weil die Gruppe zu langsam ist, ersparen wir uns den letzten Turm und nahmen eine Abkuerzung zum Tal. Erleichtert erreichten wir den Bus, der uns zurueck zu dem Startpunkt brachte, wo wieder ein Mittagessen auf uns wartete.
Auf dem Rueckweg nach Peking, der wieder um die drei Stunden dauerte, waren neben mir nur zwei weitere Personen wach. Der Rest fiel in einen von Erschoepfung ausgeloesten Schlaf.

Ich denke dies war aufgrund des schweren Gepaecks und wegen des unwegsamen Gelaende die anspruchvollste Tour die ich je mitgemacht habe. Koerperlich als auch mental wurden wir alle auf die Probe gestellt. Das Adrenalin war immer dabei, da es sich streckenweise um eine recht gefaehrliche Kletterei handelte. Auch unsere Organisatoren hatten diesen Ort unterschaetzt. Sie waren auch das erste Mal hier.

2016-04-02 Wild Great Wall Hike

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